Im Frankenwald, da sind die Kinder
„Edgar, Edgar, wo bist du?“ Laut rufend laufen die Kinder durch den Wald. Sie schauen unter Büschen nach, durchkämmen den Farn. Schließlich finden sie ihn, angebunden an einen Baum, und schneiden ihn los. Zum Glück ist Edgar nur ein Plüschdrache.
Die Entführung Edgars gehört zu einer Schnitzeljagd, die die Betreuer für die Kinder veranstalten. Anschließend will Edgar, dass die Kinder eine Höhle für ihn bauen. In mehreren Gruppen gestalten sie kleine Laubhütten aus Moos, Zweigen, Blättern und Tannenzapfen. Alle werden fotografiert und am Abend soll dann das schönste Versteck prämiert werden.
Mit diesen Aktionen verbringen 20 Kinder einen der Nachmittage der vierzehntägigen Kindererholung, die sie in diesem Sommer nach Teuschnitz im Frankenwald geführt hat. Es sind Kinder, die ansonsten nicht in Urlaub fahren würden. Bei der Hälfte leben die Eltern von Hartz IV.
Zudem haben die Kinder mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen. Die größte Gruppe unter den kleinen Gästen im Jugendhaus Am Knock (30 %) leidet an wiederkehrenden Infekten und einer besonderen Infektanfälligkeit. Ein Viertel hat psychosomatische Beschwerden. Ein Mädchen ist auf Hörgeräte angewiesen und spricht meist nur leise.
Daher ist Sport und Spiel im gesunden Klima des Frankenwaldes ein Schwerpunkt der Kindererholung. „Der Knock“ bietet dazu viele Möglichkeiten: Ob Beachvolleyball oder Fußball, Basketball oder traditionelles Volleyball – Tore, Körbe und Netze sind vorhanden. In einem Spielhaus können die Kinder bei schlechtem Wetter kickern oder Tischtennis spielen. Zwei Grillstellen laden auch am Abend zum Aufenthalt im Freien ein.
Das Programm bietet darüber hinaus viele Ausflüge: Auf dem Erlebnisbauernhof in Reichenbach können die Kinder Kühe melken und Tiere füttern oder in der Heuhüpfburg fröhlich herumspringen. In Saalfeld besichtigen sie ein Schaubergwerk samt Tropfsteinhöhle und toben durch den Abenteuerspielplatz „Feenwäldchen“. Zum Schwimmen geht es nach Coburg, in ein Naturbad oder an den Ölschnitzsee. Nicht nur Hirsche, Wildschweine und Greifvögel, sondern sogar Wisent und Auerochse sind im Wildpark Schloss Tambach zu bestaunen. Krönender Abschluss der 14 Tage ist ein Besuch auf der Sommerrodelbahn in Kronach. Der Nachmittag bei der Feuerwehr in Teuschnitz fiel in diesem Jahr leider dem Dorffest des Radiosenders Bayern 3 zum Opfer, denn die Freiwilligen Brandbekämpfer mussten beim Finale dieses Wettbewerbs für Sicherheit sorgen.
Bleiben die Kinder mal im Jugendhaus, wird gebastelt oder gemalt. Auch Ruhezeiten sind wichtig. Eigens geschulte Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich um die Kinder und organisieren das Programm. Am Knock finden sie ideale Bedingungen vor, öffnet die Einrichtung nach den Betriebsferien im Sommer doch eigens vierzehn Tage früher für die Kindererholungen. Die Kinder und ihre Begleiter haben also das ganze Haus für sich.
Die Caritas kann sich daher freuen, den Kindern, die es ansonsten im Leben nicht leicht haben, zwei unvergessliche Wochen bereitet zu haben. Nicht so erfreulich ist leider die finanzielle Situation, da viele Eltern nicht in der Lage sind, einen Eigenanteil an den Kosten des Aufenthalts zu tragen. Für die vier Kindererholungen, die in diesem Sommer stattfanden, übernahmen Diözesan-Caritasverband, Kreis-Caritasverbände und Pfarreien rund 35.000 Euro selbst, 36 % der Gesamtkosten. In manchen Jahren liegt dieser Anteil noch höher. Rückläufig ist weiterhin die Beteiligung der Eltern. Nach 2016 lag sie auch 2017 erneut unter 20 %.