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Kindererholung in Zeiten von Corona

Datum:
Veröffentlicht: 23.7.20
Selten war die Auszeit so nötig wie heute

Lange war unklar, ob sie in diesem Jahr überhaupt stattfinden würden. Denn niemand konnte absehen, wann und wieweit die Ausgangs- und Reisebeschränkungen gelockert werden, die der Staat wegen der Corona-Pandemie verhängt hatte. Inzwischen ist es wieder erlaubt, zu verreisen, Urlaub zu machen, sich in einem Beherbergungsbetrieb einzuquartieren. Damit können auch die Caritas-Kindererholungen stattfinden.

Auch wenn natürlich Einschränkungen zu beachten sind, ist das für viele Kinder und Jugendliche ein Glück. Denn gerade in diesem Jahr haben sie die Erholung besonders nötig. Wochenlang waren sie in den Wohnungen mehr oder weniger gefangen.

Die Ausgangsbeschränkungen wirkten sich auf Familien, deren Möglichkeiten ohnehin schon begrenzt sind, besonders hart aus. Wer in einem Wohnblock zu Hause ist, in einer Wohnung ohne Garten, sogar ohne Balkon, der wird sich mit der Zeit schlicht auf die Nerven gehen.

Monatelang konnten die Kinder nicht zur Schule gehen. Erst fand gar kein Präsenzunterricht statt, dann nur stunden-, tageweise oder im Wochenwechsel. Lernen mussten die Kinder zu Hause, betreut von den Eltern. Und viele der Erwachsenen mussten im Homeoffice arbeiten. Zwangsläufig mussten die Eltern ihre Arbeit immer wieder unterbrechen, um sich den Kindern zu widmen. Und die Kinder kamen sich beim Homeschooling auch gegenseitig in die Quere. Die Großeltern, da aufgrund des Alters in der Regel Angehörige der Risikogruppen, durften anders als sonst nicht bei der Kinderbetreuung einspringen.

Auf Dauer Stress pur! Und je mehr Menschen in einer Wohnung zusammenleben, umso mehr. Betrachtet man die Kinder und Jugendliche, die üblicherweise an einer Kindererholung der Caritas teilnehmen, kann man feststellen: Eine stetig wachsende Zahl stammt aus Familien mit drei und mehr Kindern; 2019 erreichte die Quote den bisherigen Höchststand von 62 %.

Am problematischsten war die Situation zweifellos für Alleinerziehende. Sie hatten gar keine Möglichkeit, sich in der Verantwortung einmal abzuwechseln. Dass die Mutter sich mal in Ruhe am PC den beruflichen Pflichten widmet, während der Vater sich mit den Kindern beschäftigt – nicht möglich! Viele Mädchen und Jungen, die die Caritas bei den Erholungsmaßnahmen betreut, haben diese Problematik jetzt miterlebt: Bis zu drei Viertel der teilnehmenden Kinder leben nur mit einem Elternteil zusammen.

Bei etlichen Familien kamen existentielle Sorgen hinzu: Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, um das Einkommen als kleiner Freiberufler oder um den Weiterbestand des bescheidenen Geschäfts. Viele Beschäftigte gingen in Kurzarbeit, mancher wurde gar entlassen. Schon unter „normalen“ Bedingungen sind bis zu 65 % der Eltern, deren Kinder an den Erholungsmaßnahmen teilnehmen, auf staatliche Transferleistungen – vor allem Hartz IV – angewiesen. Diese Quote dürfte „nach Corona“ deutlich ansteigen.

Kinder wie Eltern haben es bitter nötig, dass die Kinder 14 Tage auf Erholung gehen können. Daher will die Caritas gerade in diesem Jahr alles tun, damit die Kindererholungen stattfinden können.

Dabei stellt die Organisation die Caritas vor größere Herausforderungen als in anderen Jahren. Neben den wie vor gültigen Hygienevorschriften und Abstandsregeln sind in den Häusern weitere Auflagen einzuhalten. Das erfordert etwa kleinere Gruppen. Vielleicht werden auch nicht so viele Kinder wie sonst – üblich waren etwa 125 – mitfahren.

Unklar ist auch, ob alle vier Kindererholungen zustande kommen. Das Jugendhaus Am Knock in Teuschnitz nutzt den Corona-Lockdown, um eine anstehende Renovierung vorzuziehen. Die Caritas muss also einen Ersatz suchen. Die Familienferienstätte St. Otto auf Usedom hat ebenfalls abgesagt.

All diese Umstände werden den Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg finanziell noch stärker herausfordern. Die Kosten werden höher sein, die Einnahmen geringer. Schon bisher übernahm der Diözesan-Caritasverband jedes Jahr rund ein Viertel der Gesamtkosten. Zusammen mit der Beteiligung von Kreis-Caritasverbänden und Pfarreien macht die kirchliche Unterstützung rund 40 % der Finanzierung aus. Das sind jährlich etwa 40.000 Euro. Dieser Betrag kann 2020 deutlich höher ausfallen. Dennoch wird der Diözesan-Caritasverband das Wagnis eingehen: Die Familien sollen einen Ausgleich zu der belastenden Situation der vergangenen Monate finden.

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